Traumwerk on Tour
Ein Gastgeber bleibt nicht zu Hause
Warum Sven Bössow das Traumwerk zu den Menschen bringt – und weshalb der Weg für ihn längst zum Ziel gehört
Sven Bössow könnte an seinem Schreibtisch sitzen und darauf warten, dass das Telefon klingelt. Dass ein Porsche-Club einen Besuch plant, eine Familie einen Ausflug nach Anger-Aufham unternimmt oder jemand zum ersten Mal von der großen Modellbahnanlage hört. Das entspricht allerdings nicht seinem Naturell.
„Ich kann nicht erwarten, dass die Menschen an meinem Schreibtisch vorbeikommen“, sagt der Geschäftsführer des Hans-Peter Porsche Traumwerks. „Also muss ich sie irgendwo treffen.“
Seit 2023 macht sich das Traumwerk regelmäßig auf den Weg. Zu Oldtimer-Rallyes und Automobilmessen, an den Salzburgring, zu Clubtreffen und Modellbahnveranstaltungen. Manchmal reisen historische Fahrzeuge mit, manchmal Exponate aus der Blechspielzeugsammlung. Inzwischen gehört auch liebevoll gepflegter VW T1 Kaffeebulli zum Team.
Traumwerk on Tour nennt sich das Format. Tatsächlich beschreibt der Name weniger ein Veranstaltungsprogramm als eine Überzeugung: Ein offenes Haus zeigt sich.
Das Gesicht hinter der Einladung
Als Sven Bössow 2023 die Geschäftsführung übernahm, war ihm bald klar, dass sich die Dynamik des Traumwerks auch außerhalb des Hauses zeigen sollte. Er wollte Menschen kennenlernen, Beziehungen aufbauen. Dafür musste er selbst hinaus.
Bössow spricht lieber mit Menschen, als ihnen einen Flyer in die Hand zu drücken. Nach wenigen Minuten zeigt sich meist, was jemanden begeistert: Motorsport. Modellbahnen. Die nächste Clubausfahrt. Oder einfach ein besonderer Ort für ein Familienfest.
Deshalb fahren Bössow und sein Team nie als stille Repräsentanten zu einer Veranstaltung. Ein Auto abstellen, Informationsmaterial danebenlegen und am Abend wieder einpacken – darin sieht er keinen Sinn. Wer Menschen einladen möchte, sollte ihnen persönlich gegenüberstehen.
Ein Gespräch in Spa
Wie viel aus einem solchen Kontakt entstehen kann, zeigte sich bei einer Begegnung mit Manthey Racing am Circuit de Spa-Francorchamps in Belgien.
„Wir sind ins Gespräch gekommen und haben erzählt, was wir im Traumwerk machen“, erinnert sich Sven Bössow. „Die Begeisterung war sofort spürbar. Beim nächsten Cars & Friends-Event waren sie bereits dabei. So etwas lässt sich nicht planen. Dafür muss man miteinander reden.“
Ein offenes Haus zeigt sich
Unterwegs erlebt Sven Bössow immer wieder dieselbe Überraschung.
„Viele denken zuerst an Porsche“, sagt er. „Dann erzähle ich von der Modellbahn, vom Restaurant oder davon, dass man einfach auf einen Kaffee vorbeikommen kann.“
Die meisten kennen aber nur einen Teil des Traumwerks. Die ganze Vielfalt entdecken sie erst im Gespräch.
„Wir sind das Haus des feinen Handwerks. Ein Home of Clubs. Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen.“
Was eine Veranstaltung mitbringen muss
Die Auswahl der Termine folgt keiner starren Liste. Drei Kriterien nennt Sven Bössow im Gespräch immer wieder: Leidenschaft, Qualität und Glaubwürdigkeit.
„Die Veranstaltung muss echt sein“, sagt er.
Gemeint sind Formate, bei denen Menschen ihr Thema mit Überzeugung vertreten. Der Rahmen kann groß oder klein sein. Qualität hängt für ihn weder vom Eintrittspreis noch von Exklusivität ab. Sie zeigt sich in der Ausführung, im Umgang mit den Gästen und in der Verlässlichkeit des Angebots.
Ein Espresso verbindet
Wer dem Traumwerk unterwegs begegnet, trifft oft auch den Kaffeebulli. Menschen bleiben stehen, trinken einen Espresso und kommen ins Gespräch.
„Der Bulli gibt einen kleinen Vorgeschmack auf das Traumwerk“, sagt Sven Bössow. „Er steht für Gastfreundschaft, Qualität und Genuss.“
Sogar beim Jubiläum eines Porsche-Clubs in Schweden wurde der historische Bus schnell zum Treffpunkt. Während Kaffee ausgeschenkt wurde, entstanden Gespräche über Fahrzeuge, Reisen und das Traumwerk.
Wo immer es möglich ist, reist der Kaffeebulli mit. Als kleine mobile Form der Gastfreundschaft.
Präzision auf der Straße

Ennstal Classic
Bei der Ennstal Classic entdeckt Sven Bössow vieles wieder, was auch das Traumwerk auszeichnet. Historische Fahrzeuge werden mit großer Sorgfalt erhalten, Präzision entscheidet über jede Wertungsprüfung, und hinter jedem Automobil stehen Menschen, die ihr Wissen und ihre Erfahrung teilen.
„Die Präzision zeigt sich dort in den Fahrzeugen und im Fahren selbst. Das passt sehr gut zu uns.“

Motortag am Salzburgring
Ein anderes Bild bietet der Motortag am Salzburgring. Zwischen historischen Rennwagen und modernen Fahrzeugen drängen sich überraschend viele junge Besucher. Sie fotografieren, stellen Fragen und diskutieren über Technik.
Für Bössow ist das mehr als ein gelungener Auftritt. Es zeigt, dass automobile Kultur keine Altersgrenze kennt – wenn sie lebendig erzählt wird.
Was von einer Tour zurückkommt
Sven Bössow fährt ohne feste Erwartungen zu einer Veranstaltung. Trotzdem kommt er nie mit leeren Händen zurück.
Mal kündigt ein Club seinen nächsten Besuch an. Eine Familie nimmt sich vor, das Traumwerk kennenzulernen. Aus einem kurzen Gespräch entsteht Monate später eine Kooperation oder eine Einladung.
Mit den Jahren zeigt sich immer deutlicher, welche Wirkung Traumwerk on Tour entfaltet. Immer mehr Gäste entdecken das Ausflugsziel in Anger-Aufham für sich, Cars & Friends wächst von Jahr zu Jahr – und immer öfter wird aus einer Begegnung unterwegs ein späterer Besuch.
Die nächsten Träume
Nach der Ennstal Classic stehen der Motortag am Salzburgring, die Classic Expo und die Automobilmesse in Dornbirn auf dem Programm. Stationen auf einem Weg, der immer neue Begegnungen bereithält.
Und dann gibt es da noch einen Traum. Auf die Frage nach einer Veranstaltung, bei der er das Traumwerk eines Tages gerne sehen würde, braucht er kaum Bedenkzeit:
„Goodwood.“
Das Goodwood Revival in Südengland zählt zu den berühmtesten Veranstaltungen für historische Automobile.
Sven Bössow lächelt, als er davon erzählt. Wer ihn kennt, ahnt: Wenn er sich etwas vornimmt, bleibt es selten beim Gedanken.
Vielleicht entdeckt man den Kaffeebulli also eines Tages auch zwischen den historischen Rennwagen in Sussex. Wundern würde es jedenfalls niemanden.


