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Sven Bössow in blauem Anzug und weißem Hemd steht mit verschränkten Armen in einem Haus und schaut in die Kamera. Der Hintergrund ist leicht unscharf und zeigt eine moderne, professionelle Umgebung mit großen Fenstern.

Wir sind ja kein Museum

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Hans-Peter Porsche Traumwerks in Anger zieht Geschäftsführer Sven Bössow im Gespräch mit den SN eine sehr persönliche Zwischenbilanz. (Quelle: CEX Interview Seite 6 Oktober 2025)

  • Florian T. Mrazek:
    Gemeinsam mit Peter Daniell Porsche ist Sven Bössow seit August 2023 Geschäftsführer des Hans-Peter Porsche Traumwerks unweit der Stadt Salzburg.—–Im Zuge der diesjährigen Classic Expo feiert das Traumwerk. Was dürfen sich die Besucher davon erwarten?
  • Sven Bössow:

    Wir wollen einen repräsentativen Querschnitt des Traumwerks als Haus des feinen Handwerks zeigen. Dazu gehören die Automobile, aber natürlich auch die Eisenbahn und die Blechspielzeugausstellung. Aber auch die Porsche-Dieseltraktoren werden eine Rolle spielen

  • Florian T. Mrazek:
    Sie sind seit August 2023 Geschäftsführer des Traumwerks. Wie hat es sich seither inhaltlich verändert?
  • Sven Bössow:

    Wir haben das Traumwerk praktisch neu erfunden und verschiedene neue Formate für unterschiedliche Zielgruppen entwickelt. Ein großer Fokus liegt natürlich auf Familien. Wir wollen ein Ort sein, der für Jung und Alt gleichermaßen attraktiv ist. Unter der Headline „Home of the Clubs“ dienen wir Clubs und Vereinen als attraktiver Treffpunkt, an dem sie haltmachen können. Und das gilt keineswegs nur für Porsche-Clubs. Last, but not least ist die Kulinarik bei uns auch ein feines Handwerk. So lässt sich dieser rote Faden wunderbar spannen.

  • Florian T. Mrazek:
    Wie herausfordernd ist es, den Besuchern die inhaltliche Breite der verschiedenen Ausstellungen näherzubringen?
  • Sven Bössow:

    Sven Bössow: Ich sehe das nicht als Herausforderung, sondern als enormen Vorteil. Wir müssen uns nicht auf ein Thema versteifen, sondern haben die Möglichkeit, ganz unterschiedliche Bühnen zu bespielen. Unter der Devise „Family and Friends“ verwandelt sich das ganze Traumwerk in einen großen Spielplatz – überwiegend mit älteren Spielzeugen, die man früher benutzt hat und die man heutzutage oft gar nicht mehr kennt. Genau das macht das Angebot so vielschichtig. Meine Vision ist es, möglichst wandelbar zu sein, dabei aber die Qualität stets im Blick zu haben, die unser Haus in gewisser Weise immer ausstrahlt.

  • Florian T. Mrazek:
    Sie sprechen häufig von dynamischen Ausstellungen. Bezieht sich das nur auf das Thema Porsche?
  • Sven Bössow:

    Nein, wir wollen die Schwerpunkte bewusst breit fächern und dabei die Wertigkeit des Handwerks betonen. Was mir auch ganz wichtig ist: Wir sind kein Museum, sondern eine Ausstellung. Und wir bringen als „Traumwerk on Tour“ unsere Exponate auch zu den Menschen, wie etwa auch bei der Classic Expo. Und der Erfolg gibt uns recht, das Feedback ist äußerst positiv. Ich finde es grandios, dass sich das ganze Team vor zwei Jahren mit mir auf diese Reise begeben hat. Und ganz wichtig: Ohne engagierte Mitarbeiter, die voller Begeisterung zupacken, wäre das alles in dieser Qualität niemals machbar.

  • Florian T. Mrazek:
    Die Welt hat sich in den letzten Jahren ja massiv weiterentwickelt und beschleunigt. Inwiefern spüren Sie einen Unterschied, wie Ihre Gäste auf die Ausstellungen im Traumwerk reagieren – dieses Altmodische, Analoge?
  • Sven Bössow:

    Für mich sind es die schönsten Erlebnisse, wenn Familien zu uns kommen und die Kinder beispielsweise noch nie zuvor im Leben eine alte Modelleisenbahn gesehen haben. Ganz einfach, weil sie den Zugang dazu gar nicht mehr haben. Oder wenn sich die Eltern dann an die eigene Kindheit erinnert fühlen und gemeinsam mit den Kindern in der Folge bei uns in den Shop gehen und ein Eisenbahn-Starterset kaufen. Wenn ich mir dann vorstelle, dass ein Vater mit seinem Sohn zu Hause gemeinsam die Modelleisenbahn aufbaut und ausprobiert, dann weiß ich, dass wir mit unserer Ausstellung nicht nur irgendeine Attraktion sind, die schnell verpufft, sondern auf gewisse Weise auch etwas Nachhaltiges machen.

  • Florian T. Mrazek:
    Kann eine Modelleisenbahn gegen die Verlockungen eines Smartphones bestehen?
  • Sven Bössow:

    Der Unterschied besteht auch darin, dass bestimmte Gegenstände oder Spielsachen erst dadurch eine gewisse Wertigkeit bekommen, weil sie eben nicht immer und sofort verfügbar sind. Ein altes Blechspielzeug ist nicht wie eine App am Mobiltelefon einfach zum Download bereit. Zum Reiz einer Modelleisenbahn etwa gehört meiner Meinung nach die Vorfreude, sich mit etwas Haptischem zu beschäftigen und zu beginnen, ein größeres Projekt anzufangen. Dieser Zugang ist in der heutigen Welt ein bisschen verloren gegangen.

  • Florian T. Mrazek:
    In diesem Jahr besteht das Traumwerk seit zehn Jahren. Wo soll es zum Zwanzig-Jahr-Jubiläum stehen?
  • Sven Bössow:

    Wie heißt es so schön: Die Windschutzscheibe ist größer als der Rückspiegel. Wir sind ja eine Ausstellung der Vergangenheit über die Gegenwart bis hin zur Zukunft. Und ich möchte den Fokus auf die Zukunft noch etwas verstärken, sodass unsere Besucher nicht nur einen Rückblick auf das vergangene, sondern auch einen Ausblick auf das Kommende bekommen